Zahlenraum bis 10

Kinder begegnen Zahlen schon lange vor Schulbeginn:
Geburtstage, Tisch decken, Uhrzeiten, Schuhgrößen, Finger zählen…
Wenn sie in die Schule kommen, sollten sie bereits über ein gesichertes Mengenverständnis verfügen.

Altersempfehlung: 3 – 7 Jahre

Sobald sich ein Kind für Zahlen interessiert, sollte man seinen Wissensdurst stillen – auch wenn die Schule noch in weiter Ferne liegt. Wichtige Vorerfahrungen können jetzt entwickelt werden. Wenn Kinder zum Schulanfang bereits über ein gesichertes Mengenverständnis verfügen, können sie am Unterricht erfolgreich teilnehmen. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und wirkt sich ebenso auf andere Fächer aus.

Zählen hat seinen Platz im Vorschulalter

… und braucht ausgiebig Zeit zum Üben. Wenn diese nicht früh genug geschenkt wird, muss sie in der Schule nachgeholt werden, wo doch eigentlich der Übergang vom Zählen zum Rechnen ansteht.

Es gibt gibt keine Fehler, nur Freude am Zählen.

Im Punktebuch Band 1 kann dein Kind erstmal alles zählen. Es gibt keine Fehler, nur Freude am Zählen. Meine Tochter zählte anfangs die Gitarrenseiten 1, 2, 3, 5, 6, 11, 12, 13. Und strahlte mit ihren 2,5 Jahren übers ganze Gesicht. (Sie hatte manchmal auch „hundert“ Hunger, denn hundert bedeutete „richtig viel“.)

Dein Kind kann das Buch so oft „durcharbeiten“ wie es will. Zählen ist für das Kind „Arbeit“. Schöne, sinnvolle, befriedigende Arbeit.
Nach genug Wiederholungen fallen seinem Gehirn Strukturen, Regelmäßigkeiten auf, z.B. bei der Zahlzerlegung. Wenn ich verstanden habe, dass ich 6 in 1 und 5 oder 2 und 4 oder 3 und 3 aufteilen („zerlegen“) kann, muss ich bei Aufgaben wie „4 + 2 = “ nicht mehr zählen. Die „Bilder“ sind im Kopf ja schon gespeichert, die Erfahrungen gemacht.

Mit Kopf, Herz und Hand

Das Punktebuch ist ein guter Einstieg. Das „Begreifen“ mit den Händen, das Operieren mit konkreten Mengen fördert das „Lernen mit allen Sinnen“ und damit die ganzheitliche Gehirnentwicklung.

Stelle deinem Kind (eine Variante!) kleine, gleiche Dinge bereit. Große, weiße Bohnen sind aus Naturmaterial und wahre Handschmeichler. Muggelsteine oder goldene Knöpfe haben etwas „Schatzartiges“, grüne Plastik-Kristalle etwas „Magisches“, Muscheln wurden vielleicht im Urlaub gesammelt,… Was auch immer dein Kind fasziniert – es braucht eine schöne, wertschätzende Aufbewahrung (ein Korb, eine kleine Schatztruhe, ein Weckglas,…) und einen festen, aufgeräumten Platz. Bei jüngeren Kindern bietet sich zur Lernförderung ein Regalfach im Wohnzimmer an. Kinder wollen da sein, wo die Erwachsenen sind.

Roter Faden: Zahlenraum bis 10

Das Punktebuch dient der Inspiration und kann Seite für Seite mit konkreten Dingen nachgestellt werden.

1. Gegenstände, Finger, Personen zählen

Spiele wie „Wie viele Fenster, Lampen, Teller,… sind hier im Raum?“

„Lose“ Menge in Schälchen zum Zählen bereitstellen, z.B. zunächst 5 gleiche, schöne, einfache Dinge. Wenn das Kind interressiert ist, die Anzahl erhöhen auf 10.

Lernkartei „Mengenbilder“ (im Shop erhältlich): Mengen auf einen Blick erfassen, nachlegen lassen (schult auch das räumliche Vorstellungsvermögen)

2. „Feste“ Mengen entdecken und Zahl zuordnen

Würfelaugen zählen

Perlenstäbchen oder eckige Rechenstäbchen

Lernmaterial „Zahlenkarten bis 10“ (im Shop) mit Anleitung zur Erstellung eines „Zahlen-Museums“

Den bisher nur gesprochenen Zahlen wird nun eine feste, zusammenhängende Menge und eine bestimmte Zahl/Ziffer zugeordnet. Dabei kommt es nur auf die Anzahl an, auf das „wie viel“, nicht auf das „was“. Die 3 ist ein Symbol, ein Zeichen, und kann für drei Elefanten stehen, für drei Äpfel oder auch drei Krümel. Alle Zahlen symbolisieren jeweils eine genau bestimmte Menge.

Später: Es gibt kleinere und größere Mengen bzw. Zahlen, die man mit den Zeichen <, > und = vergleichen kann.

Wenn dein Kind jetzt schon die Ziffern schreiben lernen mag, fördere das und unterstütze die „richtige“ Schreibweise (Schreibrichtung). Es kann aber sein, dass das Schreiben erst sehr viel später kommt und dein Kind erstmal alles mündlich lernt.

3. Zahlen zerlegen

Perlen- und Rechenstäbchen

oder Wendeplättchen oder Muggelsteine o.ä. wie bei 1.

Zahlenfelder/ Zahlenhaus-Vorlage oder (mein Favorit) 1 größere und 2 kleine Schälchen, Teller o.ä.

Eine bestimmte Zahl wird ausgewählt, z.B. 6, und die entsprechende Menge in die große Schale gelegt. In die zwei kleineren Schälchen werden die Dinge aus der großen nun verteilt. „Wie könnte man 6 aufteilen? 2 du und ich 4? Wäre eine Möglichkeit. 6 ist gleich 2 und 4. Oder 2 und 4 sind 6. (Das „und“ wird erst später durch „plus“ ersetzt, wenn die Rechenzeichen eingeführt werden.) Welche Möglichkeit gäbe es noch? 3 du, 3 ich? …

4. Plusaufgaben einführen

„Heute zeige ich dir, was eine Rechenaufgabe ist.“ Ob du mit deinem eigenen Kind allein arbeitest oder mit einer Gruppe von Kindern im Kreis – eine Möglichkeit, die Plus-Aufgabe einzuführen ist diese:

Stelle Papierstreifen, Stifte und Wendeplättchen (o.ä.) bereit. Auf einen Papierstreifen schreibst du z.B. „3 + 2 =“ und sprichst während du schreibst mit. Du wiederholst den Satz langsam, indem du mit deinem Finger darunter mitgehst. „Was brauchen wir?“ Du oder dein Kind legt 3 Plättchen vor sich. Du schneidest die 3 vom Papierstreifen ab und legst sie dazu. „Plus 2. Was brauchen wir noch?“ Du oder dein Kind legt zwei weitere Plättchen daneben. Du schneidest das + und die 2 ebenfalls ab und legst sie dazu. „Das Plus-Zeichen sagt uns, dass wir die 3 und die 2 zusammenrechnen sollen. + heißt immer: „Wie viel ist es zusammen?“ Dein Kind zählt die Plättchen und sagt „5“. Du schreibst die 5 auf den Rest des Papierstreifens und schneidest = und 5 ebenfalls ab und legst die Zettel vor euch. Du legst 5 Plättchen zu der 5. „das Gleichheitszeichen = bedeutet „ist gleich“ oder „ist genauso viel wie“. Ihr geht den „Satz in Mathesprache“ nocheinmal durch: „3 plus 2 ist gleich 5“.

Wenn ihr mögt, könnt ihr euch dazu Rechengeschichten ausdenken wie „3 Dinosaurier trinken am Fluss. Zwei kommen noch hinzu. Jetzt trinken insgesamt 5 Dinosaurier am Fluss.“

Tipp: Wer eine mechanische Waage zur Verfügung hat, kann auf die eine Waagschale 3 und 2 (gut sichtbar mit Abstand) gleiche Dinge legen und auf die andere Waagschale 5. Das = Zeichen zeigt an, dass auf beiden Seiten gleich viel ist. Alternativ kann man auch mit Händen eine Waage „nachspielen“. Das Bild der Waage veranschaulicht gut die mathematische Gleichung.

5. Tausch- und Ergänzungsaufgaben

Bei den Tauschaufgaben tauscht man durch Verschieben die Plättchen der beiden Summanden und zeigt so, dass die Summe, das Ergebnis, gleich bleiben. Egal, ob ich 6+3 oder 3 + 6 rechne.

Für Ergänzungsaufgaben zur 10 bietet sich die Zehnerfeld-Vorlage an. Oder ein Eierkarton. Die leerbleibenden Felder zeigen die zu ergänzende Zahl.

6. Minusaufgaben einführen

Das Minuszeichen – sagt uns, dass von der ersten Zahl etwas weggenommen wird. Beim Ergebnis geht es also immer um die Frage: „Was bleibt übrig?“

Wir legen eine Menge vor uns aus. Und dann nehmen wir eine bestimmte Menge weg. Wir können auch wieder mit einer Rechenaufgabe wie bei 4. arbeiten.

Das Ergebnis der Minus-Aufgabe nennt man auch Differenz. Man könnte also auch fragen: „Was ist der Unterschied?“ Auch dies ist mit Wendeplättchen o.ä. darstellbar durch Auslegen von zwei Reihen oder durch umdrehen der Wendeplättchen, dass der Farbunterschied sichtbar wird.

Tipp: Wie wäre es mit Rechenspaß in der Badewanne? Mit Malfarbe für die Badewanne (in der Drogerie erhältlich) kann man Punkte auf die Haut tupfen und bei Plusaufgaben zusammenrechnen, bei Minusaufgaben teilweise abwaschen. Viel Spaß!